Der einst so parallele Weg
ist heute ein gebrochner Steg.
Wir beide ließen ihn brechen.
Es könnte, es müsste sich rächen.
Vom Steg nun schaue ich ins Meer
Es ist so weit, so groß – so leer.
Ich muss die Reisetasche packen,
Doch sitzt mir glatt die Angst im Nacken.
Wir hatten mal Ebbe – wir hatten mal Flut,
Mal tanzten die Wellen – mal schäumte die Wut,
Wir standen im Sturm, wir lauschten der Flaute,
Wir brachten die Sonne zum Eis und es taute.
Oft saßen wir beide im eigenen Boot,
Doch fischten wir uns aus der Sturmesnot.
Wir schweißten die Kähne noch enger zusammen.
Wir waren es auch, die zum Untergang schwammen.
Und unser Boot sank und wir kämpften mit Wogen,
Versuchten zu biegen, was schon war verbogen.
Wir drohten gemeinsam im Meer zu versinken,
Wir mussten uns lösen, um nicht zu ertrinken.
Dann bogst du ab mit der nächsten Welle,
Entferntest dich von mir mit langsamer Schnelle,
Ich sah es schon kommen, doch konnt’ es nicht fassen,
Und musste dich dennoch … fortschwimmen lassen.
Jetzt stehst du am Strand, das Meer im Rücken,
Versuchst dich auf anderem Weg zu beglücken.
Blickst nochmal zurück und siehst mich beim Kämpfen,
Doch seh ich den Strand nicht vor Tränenkrämpfen.
Dein Herz wartet noch – doch die Beine, sie schreiten,
Auf dass sie zum Sonnenaufgang dich geleiten.
Ich wünsch dir viel Glück an der nächsten Verzweigung,
Es küsst dich mein Herz in tiefster Zuneigung.
Es flammt nochmals auf die gesalzene Glut.
Ich muss dich vergessen – so weh es auch tut.
Und langsam laufe ich rückwärts zu mir.
Ein Teil meines Herzens bleibt immer bei dir.
27.05.2008
© lyriksplitter
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Pingback on Sep 10th, 2008 at 8:14
[...] Lyriksplitter hat ein Gedicht geschrieben, das wunderbar zu meiner Stimmung passt: Die Küste der Abschiedsverwirrung [...]
15. Juli 2008 at 6:52
Da kommen mir ja fast die Tränen ;-(
21. Juli 2008 at 9:00
Die Küste der Abschiedsverwirrung hat mich beglückt!
Ich lese unentwegt Verse und nicht alle sind gut.
Manchmal packt mich dabei sogar Wut,
weil da einer meint, er könnte es gut.
Die Abschiedsverwirrung ist verblüffend gut und lässig geschrieben.
Ein klitzekleine Kleinigkeit hätte ich anders gemacht:
Es küsst dich mein Herz – in tiefster Verneigung.
In langsamer Schnelle verbeuge ich mich vor dem Dichter
Bruni mit http://www.wortbehagen.de
22. Juli 2008 at 7:54
Interessant! Genau diese Zeile hatte ich auch im Kopf, jedoch zum Zeitpunkt, wo ich diese Zeilen geschrieben habe, war die Zuneigung treffender als eine Verneigung, welche ich jedoch jetzt sogar vorziehen würde!
Vielen Dank für eure Kommentare!
25. Juli 2008 at 8:54
Warum tut es immer so verdammt weh, wenn man sich trennt?
Das Gedicht hat mich an meine noch nicht allzu lang zurückliegende Trennung erinnert, und deine Zeilen haben mich diesen Schmerz wieder spüren lassen. Du hast mir richtig aus der Seele gesprochen.
Viele schreiben, was sich reimt,
Manche, was dem Leser schleimt.
Wenige doch schreiben stark
Dass es trifft dich bis ins Mark
Das hast du geschafft! Gratulation zu dem Gedicht, und danke für die Kommentare!
Lg, Ernst
6. August 2008 at 12:58
eine sehr interessant-kreative art, mit dem thema “trennung” umzugehen. gefällt mir total gut, das läuft runter wie … gut geölte worte. wirklich sehr stimmig. sag, wie lange benötigst du für ein so umfangreiches gedicht. du bist ja echt begabt! kompliment. g.grüßt :- )
6. August 2008 at 2:20
Vielen Dank für deine komplimentären (nicht komplementären) Kommentare!
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Für ein Gedicht diesen Umfangs benötige ich ca. anderthalb Stunden, jedoch ist das von Gedicht zu Gedicht verschieden. Manche Gedichte platzen förmlich aus mir heraus, dann sinds vielleicht 15 Minuten, andere überarbeite ich mehrfach und dementsprechend länger dauert es. Meistens jedoch sind meine Gedichte “Momentaufnahmen”, beschreiben also, wie ich mich in diesem Moment fühle. Und diese Gedichte entstehen recht schnell vom Zeitaufwand her gesehen. Bis solche Gedichte entstehen kann es jedoch schon mehrere Monate dauern